Ein Leben ohne Gefühle

 

So, hier kommt nun das fünfte und letzte Gedicht dieser Reihe. Wenn es euch gefällt, sagt es mir doch bitte. Und wenn euch gefällt, wie ich schreibe: ihr könnt mir auch gerne Ideen zu Themen schreiben, die euch interessieren und mit denen ich mich in dichterischer Form anschließend auseinandersetzen kann. Ich bin immer offen für neue Ideen.

Ein Leben ohne Gefühle

 

Meine Fingerspitzen sind taub als ich dich berühre

Ich spüre nichts als Kälte in mir

Ein Teil von mir scheint sich verloren zu haben

Wie ein Zombie

Wo ist der Teil von mir

Der dich immer noch begehrt

 

Der Rücken zur Wand gedreht, die Augen nach vorn

Sehe keine Farben mehr, nur noch schwarz und weiß

Du schaust mich an und blickst durch mich hindurch

Fragst dich, ob ich dich überhaupt noch kenne

Fragst mich, ob mich irgendetwas bedrücke

Ich gebe dir keine Antwort

 

Ich schwebe wie im Nebel

Mein Herz hart wie Stein

Mein Kopf wie aus Watte

Gefühle erreichen mich nicht mehr

Dafür ist es nun zu spät

Habe all meine Kräfte aus dir gezehrt

 

Gehe durchs Leben wie ein wandelnder Toter

Die Augen sind offen, doch verschlossene Blicke

Freunde kommen und gehen, doch ohne Erfolg

Du berührst meine Hand

Doch ich bemerke nicht deine Existenz

Fremd du mir bist

 

Anmerkung: Dieser Text spiegelt nicht meine Gefühlslage wieder, sondern ist nur eine Überlegung, wie es wäre, wenn man keine Gefühle hätte (was sehr schwer ist, vorzustellen, da wir alle Gefühe haben).

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir ein Kommentar darlasst, wie ihr mein Gedicht fandet.

6 Kommentare zu „Ein Leben ohne Gefühle

  1. Ich finde das Gedicht gut. Die Reimform ist nicht meine, aber das ist Eigenheit. Die Trennung zwischen Ich (Tagesbewusstsein) und Selbst (Gefühl) ist ganz gut erkennbar, könnte aber noch besser differenziert werden (sofern Du das so beabsichtigt hattest). Psychologisch betrachtet sind für mich allerdings „Reste“ von Gefühl immer noch deutlich erkennbar. Aber das ist wohl auch gut so, sonst wäre es zu düster…
    👍🤗

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo, ich habe diese Differenzierbarkeit zwischen dem Tagesbewusstsein und dem Gefühl nicht bewusst gewählt, sondern einfach so frei aus meinem Kopf meine Gedanken zu diesem Thema geschrieben. Die Idee zu diesem Gedicht ist mir egentlich erst gekommen, als ich einmal im Park spazieren war und meine Brille nicht aufgesetzt hatte. Da fragte ich mich auf einmal, wie es denn so sei, ohne Augen zu leben. Zu diesem Thema, sowie zu den Themen Ein Leben ohne Mund, Ein Leben ohne Ohren, Ein Leben ohne Nase habe ich auch Gedichte geschrieben, die sich auf meinem Blog befinden müssten. Wenn du willst, kannst du da ja mal reinschauen.

      Gefällt 1 Person

  2. Leben ohne Gefühle erinnert mich an meinen Burnout… War vorher schon schwer depressiv, aber da fühlt man immerhin noch was. Auch wenn’s nur Negatives. Destruktives ist.

    Der Vergleich mit Zombie ist absolut treffend. Man fühlt sich wirklich ein wandelndes, kaltes Klümpchen Fleisch.

    Das Herz scheint von außen zwar aus Stein zu sein, aber gleicht innerlich eher wie ein wabbeliger Blobfisch. Völlig instabil und weichgeklopft von der Härte des Lebens.

    Ja…

    Jedenfalls schönes Gedicht und gutes Einfühlungsvermögen für jemanden, der (glücklicherweise) nicht selbst davon betroffen ist.

    Freue mich auf weitere Gedichte!

    LG

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  3. Ich glaube, jetzt nach dem Lesen deiner Gedanken, dass das Leben kein Leben wäre ohne Gefühle. Menschen fühlen, Tiere und selbst Pflanzen fühlen, sonst würden sie sich nicht der Sonne zuwenden wie Mensch und Tier es auch tut. Wir brauchen alle Wärme.

    Das wär mal der Stoff für einen Roman, wo der Protagonist keine Gefühle kennt und sich doch irgendwie durchschlägt mit allen Schwierigkeiten, die ihm begegnen. Psychopathen verfügen über sehr viel Gefühl, wenn es um sie selbst geht, aber das Mitgefühl, die Empathie fehlt ihnen. Aber kein Mensch kann sich so gut tarnen und anpassen, wie der Psychopath. Deshalb leben viele Psychopathen unauffällig unter uns und die meisten werden nicht straffällig, sondern leiden an sich selbst, weil sie spüren, dass ihnen etwas Relevantes fehlt.

    Verzeih die vielen Worte, aber ich find das Thema schon sehr interessant. Vielleicht gibt es ja doch Lebewesen ohne jedes Gefühl. Aber wie nennt man diese Wesen: Steine!

    Jetzt gerade fühle ich, dass ich fühle und das ist ein wunderschönes Gefühl ..

    Gruß aus OF in Hessen, PP 🙂

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    1. Vielen dank für dein ausführliches Kommentar. Ich finde das keineswegs zu viel an Worten, und das mit der Person, die keine Gefühle kennt, in einem Buch, finde ich eine gute Idee. Vielleicht schreibe ich mal so etwas…Ich finde es schön, dass mein Gedicht in dir Gefühle weckt und hoffe, dass sie anhalten.
      Viele Grüße aus Köln Jona

      Gefällt 1 Person

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