Frieden- ein nie eintretendes Phenomen

Ich beschäftige mich heute mit dem Thema Frieden. Was ist Frieden? Was ist sein Gegenteil? Wie wird er erzeugt? Und brauchen wir überhaupt Frieden, um zu überleben?

 

Frieden wird per Definition als Gegenteil von Krieg bezeichnet. Ich finde diese Bezeichnung etwas unpassend. Denn würden wir davon ausgehen, dass dies so wäre, dann müsste in jedem Land, in dem kein Krieg herrscht, Frieden sein. Aber ist das so? Und was bedeutet das Wort Krieg überhaupt?

Das Wort Krieg bedeutet im älteren mittelhochdeutschen so viel wie „Anstrengung, Bemühen, Streben, Streit, Wortstreit, Rechtsstreit; Wettstreit, Widerstand, Zwietracht, Kampf, bewaffnete Auseinandersetzung“ und rührt von dem Wort kriec her.

Das abgeleitete Verb kriegen bedeutete erst „sich anstrengen, sich um etwas bemühen, streben“, dann auch „streiten, zanken, kämpfen, Krieg führen“.

Also geht es bei Kriegen nicht nur um Auseinandersetzungen mit Waffen, wie viele spontan sagen würden, sondern einfach auch um Anstrengung, Bemühen und Streben. Es gibt das Prinzip des Mehrwollens, das in vielen Köpfen verankert ist. Dieses Prinzip sagt aus, dass man immer mehr haben will, besser sein will, schneller…Es reicht vielen nicht aus, einfach nur gut zu leben, sondern sie wollen über ihre Grenzen hinaus und entwickeln immer neue Gegenstände, nur um besser zu sein als andere. Hiermit lassen sich auch die Prinzipien des Strebens, Bemühens und Anstrengens erklären. Der Mensch bemüht sich, alles richtig zu machen, er strengt sich an, aber erkennt am Ende, dass es nichts bringt und deshalb strebt er nach mehr und verliert sich darin. Meiner Meinung nach bringt dieses angestrengte Streben nichts, jedenfalls nicht, wenn man nach zu viel strebt.

Denn wenn man sich immer nur mit anderen vergleicht, immer besser sein will als andere, dann hat man außer dieser Sache fast nichts anderes im Sinn und man wird eventuell unglücklich. Ist mir früher oft passiert. Ich hielt es für nötig, mich mit anderen zu vergleichen, und hatte schlechte Laune.

Zurück zu meiner Ausgangsfrage. Es gibt ständig und in jedem Land immer Kriege, wenn man dieses Streben betrachtet. Denn streben bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass man sich in einem unterbewussten Streit mit jemand anderem befindet. So gesehen kann es nie einen Frieden geben, da wir überall zu jeder Zeit in gewisser Weise streit haben.

Aber was ist eigentlich Frieden?

Der Ausdruck Friede lässt sich über das mittelhochdeutsche Wort vride, das althochdeutsche Wort fridu auf das germanische Wort friþu- „ Friede“ zurückführen, das auch im altenglischen friþ und altfranzösischen fretho bezeugt ist, außerdem in

gotischen gafridon „versöhnen“; Quelle ist die indogermanische Wurzel *pri– „nahe“; deshalb wird als ursprüngliche Bedeutung „Beieinandersein, sich nahe sein“ angenommen. Friede bezeichnete zunächst die „Rechtsordnung als Grundlage für eine Gemeinschaft“, später dann einen „Waffenstillstand“ und steht heute für „Eintracht, Harmonie“ im Allgemeinen.

Wenn man sich nun diese Begriffe anschaut, so erkennt man ein direktes Konträr zu den Bedeutungen von Krieg. Wo Streben herrscht, gibt es keine Harmonie. Allerdings würde ich hier zwischen äußerem und innerem Frieden unterscheiden. Ich denke, dass der innere Friede eher auf den Bereich des Streben, Bemühen und Anstrengen beruht und der äußere Frieden wirklich für keine sichtbaren Auseinandersetzungen steht. Trotz alledem, oder gerade deswegen, ist es schwer, davon zu sprechen, es gäbe Frieden.

Brauchen wir Frieden, um zu überleben?

Ich denke nicht, dass dem so ist, da die Menschen sich freiwillig in den einen oder anderen Kriegszustand begeben. Sie würden ohne diese überhaupt nicht auskommen. Zumindest nicht ohne den des Strebens. Der Mensch sucht sich automatisch neue Herausforderungen, und wenn er mal keine sieht, dann wird ihm schnell langweilig.

 

Was sagt ihr dazu? Lasst mich gerne eure Meinungen hören

2 Kommentare zu „Frieden- ein nie eintretendes Phenomen

  1. Wow. Ich glaube ich habe mir diesen Text dreimal durchgelesen, und ich finde ihn toll. Er ist gut recherchiert und spannend! Danke für diese Bereicherung!
    Deiner Meinung zum Thema Frieden Stimme ich mehr als zu, denn immerhin sind wir Menschen es, die den Krieg verursachen, und das wird auch nicht so schnell aufhören.

    Xoxo

    Gefällt 1 Person

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