Die Frage über den Sinn

Was haben wir für einen Sinn? Kann man überhaupt vom Sinn sprechen? Und wie ist dieser definiert?

Ich denke, auf diese Frage kann es laut unserem Wissensstand keine eindeutige Antwort geben. Denn die Natur könnte ohne uns wahrscheinlich viel besser leben. Und trotzdem sind wir hier. Wenn wir uns jedoch mal in der Philosophie umschauen und das Prinzip des Existenzialismus betrachten, dann sehen wir, dass es nach Jean-Paul Sartre 2 Definitionen vom Sinn gibt. Einmal betrachtet er den Sinn der Menschen und zum anderen den Sinn von Gegenständen. Dabei geht er auch auf die Existenz jener ein. Er meint, dass Gegenstände, wie zum Beispiel ein Kamm, zuerst einen Sinn haben müssen, um zu existieren. Denn was würde es bringen, wenn man eine Sache erfindet, die dann einfach nur da wäre.

Beim Menschen, so Sartre, ist es genau anders herum. Er muss erst existieren, um danach einen Sinn zu haben, beziehungsweise einen zu entwickeln. Denn Menschen können nicht wie Gegenstände für eine gewisse Intention einfach geschaffen werden, daher muss sich der Mensch seinen Sinn im Leben erst erarbeiten. Aber ich denke, dass dies gar nicht so einfach ist. Denn wie viele Menschen können von sich aus sagen, dass sie genau für eine Sache geschaffen sind? Richtig, niemand. Es gibt also genau gesehen gar keinen richtigen Sinn für den Menschen. Und selbst das Leben an sich als einen Sinn zu bezeichnen, finde ich schwierig. Weil, wenn wir alle nur leben, um zu leben, dann ist das eine sehr trostlose  und langweilige Angelegenheit.

Zwei Fragen, die ebenso eng mit diesem Thema verknüpft sind, spreche ich nun noch etwas genauer an: Ab wann ist ein Leben lebenswert? Und wer entscheidet darüber, wer stirbt und wer lebt?

Um auf die erste Frage einzugehen, begebe ich mich in einen anderen Bereich der Philosophie: den Präferenzutilitarismus. Peter Singer, einer der Vertreter dieser Form, meinte, dass man bei Babys, die sogar noch im Bauch der Mutter sind, aber Anzeichen für eine starke Behinderung aufzeigen, Sterbehilfe leisten dürfe, um die Säuglinge nicht nach der Geburt noch leiden zu lassen, bis sie lebend ihren Tod erleiden.  Er ist der Meinung, dass ein Leben lebenswert sei, wenn ein Kind anfange zu denken und Erinnerungen aufzubauen, also ca. mit 3 Jahren, relativ spät. Ich kann diese Meinung nicht vertreten. Denn wenn man das Leben eines Kindes auslöscht, bevor es überhaupt die Möglichkeit hatte, sich zu entwickeln, dann ist das ungerecht. Ich denke, jeder Mensch hat von Anfang an das Recht zu leben, von dem Moment, ab dem es ein Zeichen gibt, das ein Leben entsteht. Und wer sagt denn, dass das Kind mit der Behinderung nicht klar kommt oder dass nicht doch eine Medizin entwickelt wird, die dagegen hilft. Aufgeben, bevor man wirklich anfangen kann zu kämpfen, ist für mich keine Option.

Nun zu meiner zweiten Frage. Hier gehe ich gleich auch noch auf den freien Willen ein, aber zuerst möchte ich darüber reden, was bei diesem Prozess alles schief läuft. Ich meine, letztendlich entscheidet ja der Staat oder staatliche Institutionen über Leben und Tod von einzelnen Personen. Ich finde das falsch. Auch dieses Problem würde ich als eine mögliche Fehlkonzeption der Demokratie bezeichnen. Denn in einer Demokratie dürfen ja bekanntlich alle wählen, aber hier, bei diesen Entscheidungen treffen am Ende nur wenige Personen die Entscheidung. Vorausgesetzt den Fall, dass eine solche Entscheidung über den Tod einer Person gefällt wird, rechtfertigt das nicht den Mord und der Staat müsste also ebenso zur Rechenschaft gezogen werden. Wir urteilen meist viel zu schnell über das Handeln anderer Menschen. Wir sagen, dass etwas gut oder schlecht gemacht wurde, ohne uns der Tathintergründe bewusst zu sein. Und außerdem, ich finde, dass jeder Mensch, egal, was er für eine Tat begangen hat, eine Chance auf Besserung hat. Denn wenn man jeden Menschen, nur weil er etwas Schlechtes gemacht hat, einfach beiseiteschiebt, macht man sich selber zu einem schlechten Menschen. Man hat ohne Verständnis, Rücksicht und Einfühlungsvermögen gehandelt und damit drei wichtige, meiner Meinung nach bei jeder Entscheidung essentielle Bestandteile, außer Acht gelassen. Hier kann man nun auch damit argumentieren, dass, falls dem so wäre und zwischen dem Gedanken einer Handlung und der Handlung selbst eine Sekunde verstreicht, man gar nicht weiß, ob das wirklich so gewollt gewesen war oder nicht.

 

Was denkt ihr? Mich würden eure Meinungen sehr interessieren.

 

Liebe Grüße und einen schönen sonnigen Sonntag Philosophy of thoughts

10 Kommentare zu „Die Frage über den Sinn

  1. Das spannende ist ja auch, dass Behinderte insbesondere geistig Behinderte auf die Frage nach einem sinnvollen oder glücklichen Leben meiner Erfahrung nach wahrscheinlich wesentlich positivere Antworten geben als vermeintlich “Gesunde”.
    Auch die Frage nach dem Leid wird oft ganz anders wahrgenommen, insbesondere wenn es sich um eine angeborene Behinderung handelt wird das Leid womöglich gar nicht so stark empfunden. Der Mensch ist schließlich unglaublich anpassungsfähig und hat ganz einfach Strategien gefunden mit dem Fehlen bestimmter Fähigkeiten oder Fertigkeiten zurechtzukommen. Ich denke nur der Behinderte leidet, weil ich mir vorstelle wie es wäre, wenn ich diese oder jene Fähigkeit verlöre. Aber vielleicht kommt das hineininterpretierte Leid ja gar nicht so sehr vom Fehlen der Fähigkeit sondern vielmehr von meiner Vorstellung des Verlustes.
    Und was um alles in der Welt gibt mir denn das Recht diesen vom Behinderten selbst für sich bejahten Sinn stellvertretend für diese zu verneinen? Nur weil der Behinderte nicht so viel kann wie ich? Macht es mein Leben wirklich sinnerfüllter, wenn ich mehr kann als ein anderer? Oft scheint mir gar das Gegenteil der Fall. Je einfacher gestrickt, je fröhlicher. Inzwischen gibt es einige Menschen mit Down-Syndrom, die selbst schreiben können und sogar publizieren. Sie schreiben nicht, wie schade es ist, dass sie geboren werden mussten, sondern wie gern sie leben.

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  2. Heyy,
    Ich stimme dir und Sartre zu, dass es darum geht, dem Leben Sinn zu verleihen anstatt ihn zu suchen. Selbst wenn es keinen größeren Lebenssinn gibt, also das deine Existenz unbedeutend ist, finde ich, dass man versuchen sollte, das Beste aus seinem Leben zu machen.
    Wenn man schon die wirklich unwahrscheinliche Möglichkeit bekommen hat, auf der Erde als Mensch zu existieren, sollte man diese Möglichkeit in vollen Zügen auskosten. Natürlich kann man auch einfach sein ganzes Leben nur rumsitzen und nichts machen, weil das Leben ja eh kein Sinn macht. Aber das ist dann so als würde man seinem Kind am Strand erzählen: „Bau keine Sandburgen. Der Wind macht sie eh irgendwann wieder kaputt.“
    Da bau ich lieber Sandburgen. :))

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  3. Dann ist es mir angenehmer, mit dir persönlich zu sprechen, lieber Jona.

    Wie machen es denn die anderen,die du auch eingeladen hast?

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  4. Könntest du mir das bitte genauer erklären?
    Wie hier Austausch, Kommunikation und Einsicht funktioniert?

    Jetzt habe ich den Eindruck, hier alleine zu sein.

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